„Statussymbole gibt es heutzutage in vielen Nischen“

Portraitfoto Lioba Gierke
@WHU/Anna Kaduk

Vielleicht ist es nicht mehr der große Luxus, aber Statussymbole haben wir alle – auch, wenn viele sich dessen vielleicht nicht immer bewusst sind. Das sagt Psychologin Lioba Gierke, die über den Wandel von Statussymbolen ein Buch geschrieben hat. Wir haben mit ihr über das neue Statusdenken gesprochen.  

Großes Auto, teurer Schmuck, die Designer-Handtasche. Sind das noch die typischen Statussymbole in unserer heutigen Zeit?

Ja, solche Dinge haben nach wie vor Status-Potenzial. Sie fallen vielen Menschen als erstes ein, wenn sie nach Statussymbolen gefragt werden – und sie fallen uns im Alltag ja auch auf. Ich muss aber einschränkend sagen: Auch wenn es im Zusammenhang mit Status immer noch häufig um Luxus-Konsumgüter geht, ist das inzwischen nicht mehr zwingend und ausschließlich der Fall. Vielmehr erleben wir heute eine Diversifizierung von Statussymbolen.

Was meinst du damit?

Das, was wir als Status betrachten, ist vielfältiger geworden, weil unsere westliche Gesellschaft sehr individualisiert und es den Menschen grundsätzlich möglich ist, sich in ganz vielen Bereichen auszuleben. Dementsprechend sind Statussymbole heutzutage in großer Bandbreite in vielen einzelnen Nischen zu finden. Es handelt sich dabei um Dinge, an die wir früher gar nicht gedacht haben, und die zudem nicht zwingend materieller Art sind.

Und was, zum Beispiel, zählt zu diesen neuen Statussymbolen?

Unter anderen hat sich der souveräne Umgang mit Technik und technologischen Neuerungen zum Statussymbol entwickelt: Wenn jemand weiß, wie man neue digitale Tools einsetzt, drückt das in gewisser Weise Status aus. Denn es zeigt, dass man zukunftsfähige Kompetenzen hat, die neuen Technologien für sich nutzen kann und somit einer bestimmten Gruppe digitalaffiner Menschen angehört. Letzteres ist nach wie vor der springende Punkt beim Thema Status beziehungsweise Statussymbole: die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe soll ausgedrückt und die Gemeinsamkeit mit dieser Gruppe gezeigt werden. Gleichzeitig bedeutet das, dass man sich von anderen abgrenzt. So hat es auch Status-Potenzial, Mitglied eines bestimmten Netzwerkes zu sein. Kontakte in gewisse Kreise zu haben und zu wissen, wie man sich dort zu verhalten hat. Die hier feinen Unterschiede zu kennen, ist ein heutzutage gängiger Weg, um seinen Status auszudrücken.

Statussymbole verändern sich im virtuellen Setting. Das schicke Eck-Büro oder der Dienstwagen haben da keine Sichtbarkeit mehr.

Lioba Gierke

Stichwort Abgrenzung. Angesichts der vielen verschiedenen Gruppierungen in unserer Welt, der zahlreichen Möglichkeiten und Lebensformen, grenzt man sich doch eigentlich immer von anderen ab.

Das stimmt. Was einzelne Personen als Statussymbole betrachten ist unterschiedlich. Die Abgrenzung ist auf der Meta-Ebene zu verstehen. Alle Menschen haben verschiedene Vergleichsgruppen, denen sie angehören. Allein im Kreis der Kolleg:innen gibt es andere Dinge, die für Anerkennung sorgen und die manche Personen in dieser Gruppe nicht haben können als beispielsweise im Sportverein, in dem man aktiv ist.

Je nachdem, mit wem wir gerade zusammen sind, beziehungsweise in welchem sozialen Umfeld wir uns bewegen, gelten daher jeweils andere Statussymbole. Ein Beispiel: Für einen Abend mit Freunden reicht vielleicht der Wein vom Discounter. Lade ich aber Geschäftskolleginnen ein, die sich mit Wein gut auskennen, werde ich wahrscheinlich eher zum hochwertigen Chardonnay greifen. Und natürlich verändern sich Statussymbole aufgrund gesellschaftlicher Entwicklungen auch für einen selbst. Was für jemanden noch vor fünf Jahren ein Statussymbol war, muss heute längst keins mehr sein.

Zum Beispiel?

Das Reisen mit dem Flugzeug gehört unter anderem dazu. Hat man etwa vor zehn Jahren noch stolz verkündet, wenn man geschäftlich von München nach Berlin geflogen ist, verhält es sich mittlerweile für manch eine:n eher so, dass man das lieber nicht erzählt beziehungsweise sich dafür rechtfertigt oder gar entschuldigt – oder eben nicht fliegt, sondern mit der Bahn fährt. Das liegt daran, dass für viele Menschen eine nachhaltige Lebensweise wichtig geworden ist. Durch den Klimawandel sind Flugreisen – insbesondere Inlandsflüge – für diejenigen, die auf Nachhaltigkeit setzen, eher negativ besetzt und besitzen somit für diese Gruppe kein Statuspotenzial.

Eine gesellschaftliche Entwicklung ist auch, dass wir uns im ewigen Stress befinden. Für viele Menschen ist Zeit Luxus – jedenfalls hört man diesen Ausspruch öfter. Ist Zeit zu haben also ebenfalls ein neues Statussymbol?

Zeit hat auf jeden Fall ein starkes Status-Potenzial. Beispielsweise sagen zu können, „Mittwochnachmittags bin ich nicht erreichbar, da habe ich meinen Yoga-Kurs“ oder ein Sabbatical zu nehmen, das muss man sich leisten können. Es ist ein Privileg und signalisiert die Freiheit, sich nicht unentwegt dem stressigen Alltag aussetzen zu müssen. Und wenn man das weiterdenkt, sagt das letztlich ja auch etwas über die finanzielle Situation der Person aus.

Welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf Status und Statussymbole?

Statussymbole verändern sich im virtuellen Setting, das hat sich insbesondere in der Corona-Pandemie gezeigt, die starken Einfluss auf die Digitalisierung und auf unseren Zeitgeist genommen hat. Traditionelle Statussymbole wie das schicke Eck-Büro oder der Dienstwagen hatten auf einmal keine Sichtbarkeit mehr, weil alles im Online-Setting stattfand.

Es gab nur noch diese kleine Zoom-Kachel bei den Meetings, in der man sich darstellen konnte. Für viele Menschen stellte sich da die Frage, was man von sich zeigen will. Etwa das große Bücherregal im Arbeitszimmer? Oder das Rennrad, was ich an der Wand im Hintergrund anbringe? Oder wähle ich einen verschwommenen Hintergrund und versuche, mein Gesicht mit einem tollen Licht perfekt auszuleuchten? Das Homeoffice-Setting hat die Statussymbole im Arbeitskontext verändert.

Was liegt dir im Zusammenhang mit dem Status-Thema am meisten am Herzen, das du gerne teilen möchtest?

Ich stelle immer wieder fest, dass viele Menschen beim Thema Status zunächst einmal angeben, auf Status keinen Wert zu legen und keine Statussymbole zu haben. Doch wir alle haben Statussymbole. Und darüber nachzudenken ist lohnenswert, denn es verrät uns viel über uns selbst.

Über Lioba Gierke

Lioba Gierke ist Psychologin und promovierte am Chair of Leadership an der WHU-Otto Beisheim School of Management. Gemeinsam mit Prof. Fabiola Gerpott hat sie das 2022 erschienene Buch „Statussymbole im Wandel – Haben, was andere nicht haben können“ geschrieben.

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