Ein klares „Ja“ für mehr Verbindlichkeit

Vage Zusagen, lose Verabredungen, immer mehr „Vielleicht“-Projekte und spontane Auflösungen von Verträgen – vieles in unserem Leben ist ganz schön unverbindlich geworden. Dabei streben wir doch eigentlich nach Sicherheit. Über ein paradoxes Phänomen und dem erfolgreichen Umgang damit.

Vor ein paar Wochen habe ich eine Bekannte nach langer Zeit wiedergetroffen. Freude, kurzer Austausch: „Ah, du hast dich selbstständig gemacht. Vielleicht können wir ein paar Projekte zusammen angehen, wenn du Kapazität und Lust hast… Ich melde mich nächste Woche bei dir!“ Aus einer Zusammenarbeit ist bislang nichts geworden. Nachdem wir zwei Wochen aneinander vorbeitelefoniert haben, meldete sich die Bekannte nach weiteren Wochen per WhatsApp „mit total schlechtem Gewissen“ und der Frage nach einem zweiten Anlauf. Klar, gerne, ich bin nicht nachtragend. Dann passierte… wieder nichts.

Ich gebe zu, ich habe auch nicht mehr nachgehakt, weil ich gerade zu viel um die Ohren habe. Aber vor allem auch, weil ich inzwischen schon häufiger die Erfahrung gemacht habe, dass angedachte Projekte oftmals dahingesagt sind – auch wenn die Idee von beiden Seiten ursprünglich ernst gemeint ist. Irgendwie paradox: Man ist begeistert und bleibt doch unverbindlich. Etwas vom amerikanischen Small Talk scheint sich auf unsere (Business-)Welt übertragen zu haben.

Unverbindlichkeit statt Verbindlichkeit: „Wir könnten doch mal … vielleicht ….“

Phänomene der Unverbindlichkeit lassen sich in unserer heutigen Lebenswelt immer häufiger beobachten: Statt Termine fest zu verabreden, machen wir lieber lose etwas aus, sagen „Lass uns das spontan handhaben“. Wir wollen uns häufig die Dinge offenhalten, sprechen in Floskeln. Achte mal darauf, wie oft du den Ausspruch „Wir könnten doch mal …“ verwendest!

Der Autor und Speaker Fabian Neidhardt hat sich mit dem Thema Verbindlichkeit näher beschäftigt und sagt in seinem Vortrag „Die Vielleicht-Ära“, dass solche „Weichmacher“ in der Sprache unsere Unverbindlichkeit im Alltag ausdrücken. „Vielleicht“ steht dabei ganz vorne im Gebrauch. Wie kommt das? Laut Neidhardt handelt es sich beim Phänomen der Unverbindlichkeit um Zeitgeist, verursacht durch die Umstände, dass wir heutzutage zu viele Möglichkeiten hätten, alles unsicher geworden sei und keine richtige Kultur des Scheiterns existiere.

Die Ambivalenz mit der Unverbindlichkeit

Doch mit der mangelnden Verbindlichkeit fehlt uns eine solide Basis. Darauf macht Günther Neuses vom Shima Institut in der Schweiz in einem Blogbeitrag aufmerksam. Der frühere Manager und jetzige Trainer für Persönlichkeitsentwicklung beobachtet den Hang zu einer mangelnden Verbindlichkeit vor allem im privaten Bereich.

Seinen Ausführungen zufolge bringt das Thema Verbindlichkeit oftmals eine Ambivalenz mit sich: „Die meisten Menschen brauchen Verlässlichkeit und Sicherheit, um sich gut zu fühlen, um sich etwas zu trauen. Ich glaube, da sind wir uns alle einig. Die Realität und das Leben aber zeigen, dass es viele Menschen gibt, für die Verbindlichkeit eher schwierig ist, die sie vielleicht sogar vermeiden wollen oder müssen“, schreibt er.

Die Folge: wenig Vertrauen, mehr Konflikte

Fest steht: Es wird schnell kompliziert und problematisch, wenn Unverbindlichkeit und somit Unverlässlichkeit im Spiel sind. Schließlich fällt es schwer zu vertrauen, wenn Termine immer wieder verschoben und Vereinbarungen spontan abgesagt werden.

Sich gegenseitig zu vertrauen ist aber die Voraussetzung schlechthin für erfolgreiche Kommunikation. „Es sammelt sich als eine Art Kapital, das laufend benutzt und gepflegt werden muss“, wie der bekannte Soziologe Niklas Luhmann sagte. Hinzu kommt, dass wir uns wenig wertgeschätzt fühlen, wenn sich Menschen uns gegenüber wenig verbindlich verhalten. Persönliche Enttäuschungen und Kränkungen sind die Folge, weiß die Hamburger Konfliktberaterin und Mediatorin Andrea von Graszouw. Und diese wiederum ziehen oftmals Ärger und Auseinandersetzungen nach sich. Konflikte durch Unverbindlichkeit wie spontane Absagen nehmen daher sowohl im persönlichen als auch im beruflichen Umfeld zu, so die Beobachtung von von Graszouw.

So sorgst du für Klarheit

Um solche Konflikte von vornherein zu vermeiden, regt die Konfliktberaterin dazu an, mehr Klarheit zu schaffen. Dazu gehört …

… wenn dir abgesagt wird und dir das nicht gefällt:
Rede! Äußere deutlich, wie es dir damit geht, und machen deinen Standpunkt klar.

… wenn du es mit Wiederholungstäter*innen zu tun hast:
Verzichte auf Textnachrichten, sondern rufe an!

…  wenn sich nichts ändert und du darunter leidest:
Ziehe den Stecker!

Denjenigen, die sich mehr Freiheiten in ihrem Leben wünschen, rät von Graszouw, in die Schuhe des Gegenübers zu schlüpfen und sich zu überlegen, was man sich an dessen beziehungsweise deren Stelle wünschen würde – und dementsprechend zu handeln. Wichtig sei zudem, sich immer genau bewusst zu machen, was einem wirklich wichtig sei. So werde aus einem „Jein“ öfter ein klares „Nein“.

Besinnung auf die typisch deutsche Direktheit

Ein klares „Ja“ ist wiederum für eine Zusammenarbeit wichtig. Denn auch in Projekten holt uns der Unverbindlichkeits-Zeitgeist oft ein, wie meine Kollegin Mona Schnell in ihrer Kolumne der Frankfurter Rundschau kürzlich beklagte. Sie thematisiert in ihrem Beitrag unter anderem, dass Vertragsabschlüsse heutzutage zunehmend von jetzt auf gleich über den Haufen geworfen werden. Auch Mona plädiert dafür, vorher darüber nachzudenken, was wir zusagen, und rät zu offenen Worten, sollten Schwierigkeiten auftreten.

Besinnen wir uns also wieder auf unsere Direktheit, die uns Deutschen so gerne nachgesagt wird. Das ist zwar für viele erstmal unbequem und erfordert Energie, führt aber langfristig zu mehr Erfolg, weil es weniger Reibungsverluste gibt. Und: Wir können einander und uns selbst wieder ernst nehmen!

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