Wer einen familienfreundlichen Job will, kann lange suchen

Ich genieße es, selbständig zu sein. Bis auf die Stunden, die ich mit der Buchhaltung verbringe. Trotzdem kann ich nicht widerstehen, wenn mir XING oder LinkedIn Stellen bei interessanten Organisationen oder Unternehmen vorschlagen. Ich lese die Jobbeschreibung und stelle mir kurz vor, wie es wäre, diesen Job zu machen, denn ich liebe neue Herausforderungen. Es bleibt aber immer bei dem kurzen Tagtraum, denn die Ernüchterung tritt schnell ein:

Klar, Vollzeit. Von Teilzeit oder der Möglichkeit, sich die Leitungsstelle zu teilen, ist nie die Rede. Das Wort familienfreundlich sucht man eh vergebens. Sofort bin ich abgeschreckt, denn ich habe einen Mann, zwei Kinder und Eltern, die älter werden. Wenn alles nach Plan läuft und die Arbeitszeiten halbwegs flexibel gestaltet werden können, wäre eine Vollzeitstelle vermutlich machbar. Ich arbeite auch jetzt schon viel und habe mit PR-Agentur, Verlag und dem Onlinemagazin ausreichend zu tun. Aber wir alle wissen, dass nie alles nach Plan läuft.

Keine Vereinbarkeit in Stellenanzeigen

In Zeiten des Fachkräftemangels sollen Frauen mehr arbeiten beziehungsweise mehr Frauen arbeiten, aber neben mangelnder Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder, fühlen sie sich noch nicht mal von den Stellenbeschreibungen angesprochen, denn Unternehmen werben laut einer Analyse der Bertelsmann Stiftung selten mit familienfreundlichen Jobs.

Nur ein kleiner Anteil der Jobanzeigen verspricht Familienfreundlichkeit – obwohl 86 Prozent der Firmen beteuern, wie viel Wert sie auf familienfreundliche Maßnahmen legen.

Alles nur Augenwischerei oder einfach mangelnde Kommunikation und vertane Chancen beim Texten der Stellenanzeigen?

Im Jahr 2024 versprachen in acht Millionen geschalteten Anzeigen den Forschern nach nur 16,4 Prozent familienfreundliche Jobangebote. Und das vornehmlich in Berufen mit eh schon hohem Frauenanteil. Die Hürde, dass sich Frauen auf männerdominierte Berufe bewerben oder Männer zunehmend mehr Sorgearbeit übernehmen, steigt dadurch. Ein Bekenntnis zur guten Vereinbarkeit von Berufs-und Privatleben enthalten nur 12 Prozent der Stellenanzeigen, nur 2,7 Prozent stellen konkret Unterstützung bei der Kinderbetreuung in Aussicht.

Jobanzeigen als Hebel gegen den Fachkräftemangel

Damit verschenken Unternehmen nach Überzeugung der Autor:innen die Chance, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für sich zu gewinnen. Und das betrifft nicht nur Frauen, denn auch vielen Männern sind Vereinbarung und flexible Arbeitszeiten zunehmend wichtig, aber auch der Hinweis darauf kommthäufig zu kurz. Nur bei 14 Prozent der Stellenanzeigen könnten Bewerber den Umfang der Arbeitszeit selbst wählen. Und nur 25 Prozent der Unternehmen böten an, die Wochenarbeitszeit flexibel und nach Bedarf zu verteilen.

Alles in allem bleiben die Angaben, wenn sie überhaupt vorhanden sind, sehr unkonkret. Dabei gibt es bereits gute Modelle und sie werden vielleicht in den Unternehmen sogar bereits gelebt. Vielleicht fehlt bei einigen nur noch der Schritt, sie entsprechend zu kommunizieren, damit gute Bewerber:innen, die Eltern sind, Angehörige pflegen oder einfach großen Wert auf Selbstbestimmung legen, die Stelle überhaupt in Betracht ziehen.

Hinzu kommt noch ein weiteres Problem, das bereits während der COVID-19-Pandemie deutlich wurde: Bei der Gestaltung der eigenen Arbeitszeit haben die besser Qualifizierten mehr Freiheiten. 33 Prozent der Stellenanzeigen bieten flexiblere Arbeitszeiten an, bei Helferjobs ohne Ausbildung sind es nur 14 Prozent. Michaela Hermann, Mitautorin des Jobmonitors sagt der dpa:

Beschäftigte mit geringer und mittlerer Qualifikation werden klar benachteiligt.

Michaela Hermann

Für mich ist die Selbstständigkeit – zumal ich eine Mitgründerin habe – eine wunderbare Möglichkeit, selbstbestimmt und flexibel zu arbeiten. Solange die Stellenanzeigen nicht verlockender werden, wird es wohl auch dabei bleiben. Allerdings liegt auch unter den Startup-Gründenden der Frauenanteil nur bei 19 Prozent und ist laut des Startup-Verbandes 2024 sogar leicht zurückgegangen. Auch hier werden in einer Studie der Bertelsmann Stiftung neben zu wenigen Impulsen im Bildungssystem und fehlendem Zugang zu relevanten Netzwerken vor allem Herausforderungen bei der Vereinbarkeit von Care-Arbeit und Unternehmertum als Gründe angegeben. Immerhin gibt es eine positive Meldung: Seit 2017 hat sich die Zahl der Risikokapital-Finanzierungen für Startups mit mindestens einer Gründerin fast verdoppelt, das investierte Kapital sogar vervierfacht.

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