»Lange dachte ich, ich müsste mich für einen Weg entscheiden, dabei muss ich das gar nicht.«

Julia Tschirka

Dr. Julia Tschirka ist promovierte Biochemikerin, aber auch Fotografin, Gründerin, Autorin, sie hält Vorträge und arbeitet freiberuflich an KI-Projekten im naturwissenschaftlichen Bereich. In der »Mittagspause am Mittwoch« erzählt sie, wie sie sich von dem Gedanken befreit hat, sich festlegen zu müssen, was sie dadurch gewonnen hat und was es tatsächlich bedeutet, ein eigenes Start-up zu gründen.

→ STARTER

Hallo Julia, was isst du heute zu Mittag?

Rinderbraten in Rosinensoße

Wo und mit wem isst du meistens zu Mittag?

Zu Hause. Mit meinem Partner.

Vegetarisch, vegan oder Fleisch?

Wie man an meinem Mittagessen schon sieht: Fleisch

Espresso Martini oder Virgin Sunrise?

Le Roi des Cocktails

Latte oder Grüner Tee?

Capuccino

Ausgehen oder selbst kochen?

selbst kochen

Mich treiben vor allem Kreativität und kontinuierliches Lernen an und der Drang, eigene Ideen und Projekte in die Realität umzusetzen.


Julia Tschirka

→ HAUPTGANG

Erzähl uns doch ein wenig von dir, was machst du so?

Aktuell verbinde ich mehrere Welten miteinander: Ich arbeite freiberuflich an KI-Projekten im naturwissenschaftlichen Bereich sowie im Medical Writing, fotografiere Menschen und baue mit »DualRooms« mein eigenes Start-up auf. Das ist eine Plattform, die ich in den letzten Monaten entwickelt habe, über die Räume für Fotoshootings, Workshops, Meetings und andere kreative Projekte angeboten und gebucht werden können. Ab Oktober 2026 startet der erste Pilot, der über mehrere Monate läuft. Daneben stehe ich auch selbst auf der Bühne als Rednerin mit den Themen Mut, Motivation, Gründung und Fotografie.

Und wie bist du dorthin gekommen?

Es gab mehrere Ereignisse in meinem Leben, die es stark geprägt haben: Der Umzug nach Deutschland aus der Ukraine im Jahr 2005 ist eins davon. Das Schulpraktikum in einem Fotostudio führte zu der Entscheidung, weder Fotografie noch Kunst zu studieren. Die Promotion in Biochemie und die Arbeit im Labor haben mir dagegen gezeigt, dass ich gerne generalistisch arbeite und Netzwerke aufbaue. Doch mein Interesse an Gesundheit, Medizin und Medikamentenentwicklung ist geblieben, daher arbeite ich immer noch im pharmazeutisch-medizinischen Bereich. 2014 habe ich einen Workshop über den Aufbau eines Unternehmens in Hannover gemacht und hatte direkt eine Businessidee, die sich allerdings um die Fotografie drehte. Seit dieser Zeit träume ich von einem eigenen Reich und davon, eigene Visionen ins Leben zu rufen. Seitdem setze ich immer wieder kleine Projekte um: ein Buch mit Kurzgeschichten, ein Fotobuch, eine Lesung, einen Auftritt mit einer Rede. Mich treiben vor allem Kreativität und kontinuierliches Lernen an und der Drang, eigene Ideen und Projekte in die Realität umzusetzen. Lange dachte ich, ich müsste mich für einen Weg entscheiden. Bis ich erkannte: Ich muss mich gar nicht entscheiden. Nicht entweder-oder, sondern sowohl-als-auch. Promotion, Fotoprojekt, Buch, Start-up oder heute auch KI-Projekte und Public Speaking – all diese Vorhaben haben für mich etwas Wesentliches gemeinsam: neue Wege zu erkunden, meine Kreativität auszuleben und aus einer ersten Idee etwas Reales entstehen zu lassen. Heute kommt in meinen Projekten vieles zusammen, was mich ausmacht: analytisches Denken, Kreativität, Unternehmertum und der Wunsch, andere Menschen mit meinen Ideen zu erreichen.

Nimm uns doch einmal mit: Wie sieht ein normaler Arbeitstag für dich aus?

Einen typischen Arbeitstag gibt es bei mir eigentlich nicht. An einem Tag sitze ich mehrere Stunden am Rechner und arbeite an einem KI-Projekt, am nächsten fotografiere ich einen Kunden oder treffe einen Kooperationspartner für »DualRooms«. Dazwischen entwickle ich neue Funktionen für die Plattform, schreibe Artikel, spreche mit potenziellen Partnern oder organisiere den nächsten Schritt für den Pilotbetrieb. An anderen Tagen bereite ich einen Vortrag vor, besuche ein Start-up-Event oder arbeite an einem Projekt für TEDxEssen. Manchmal beginnt meine Arbeit morgens zu Hause mit einem Cappuccino, manchmal nachmittags bei einem Foto-Shooting und manchmal erst am Abend bei einer Netzwerkveranstaltung.

Dort, wo du jetzt bist: Wie wichtig ist dir eine Karriere?

Karriere ist mir wichtig, aber nicht im klassischen Sinne. Ich strebe keine lineare Laufbahn oder bestimmte Titel an. Mich motiviert die Freiheit, eigene Ideen umzusetzen, mich weiterzuentwickeln und mit meiner Arbeit etwas aufzubauen, das langfristig einen Unterschied in der Welt macht. Lange war mein Ziel, eines Tages meine unterschiedlichen Erfahrungen und Leidenschaften in einem eigenen Unternehmen miteinander zu verbinden. Inzwischen merke ich: Genau damit habe ich bereits angefangen.

Was hättest du aus heutiger Sicht gern früher über dein Business gewusst?

Zum ersten Mal dachte ich 2014 darüber nach, ein Start-up zu gründen. Ich hielt einen Pitch, doch die Jury sah in meiner Idee kein Potenzial. Zwölf Jahre vergingen. 2026 stand ich erneut vor einer Jury – und dieses Mal sagte sie: »Ja«. Heute weiß ich: Dieses Ja ist erst der Anfang. Danach kommen Prototypen, Gespräche, Absagen, Kooperationen, technische Probleme, neue Ideen und sehr viele kleine Entscheidungen. Aus einer Präsentation wird irgendwann eine Plattform, aus einem ersten Gespräch ein Pilotprojekt. Ich wünschte, ich hätte früher verstanden, dass man nicht auf den perfekten Zeitpunkt, vollständige Expertise oder die Zustimmung von außen warten sollte. Manchmal muss man einfach beginnen, testen, lernen, korrigieren und weitergehen – auch wenn andere deine Vision noch nicht sehen. Nach vielen Neins kann ein einziges Ja alles verändern. Besonders dann, wenn dieses erste Ja von dir selbst kommt.

Mich motiviert die Freiheit, eigene Ideen umzusetzen, mich weiterzuentwickeln und mit meiner Arbeit etwas aufzubauen, das langfristig einen Unterschied in der Welt macht.


Julia Tschirka

→ DESSERT

Und was machst du zum Ausgleich?

Zum Ausgleich verreise ich gerne, nehme meine Drohne mit und betrachte die Welt von oben. Wenn ich einen Impuls habe, schreibe ich eine Kurzgeschichte über das Leben oder über scheinbar ganz banale Dinge. Gelegentlich verwandle ich sie in eine Rede und halte sie bei Toastmasters Cologne. Oder ich arbeite an meinem Liebesroman »Der Herbst in London«.

Welchen Job würdest du gern einmal für einen Tag vertesten?

Schauspielerin

Ein Buch, das dich in letzter Zeit beeindruckt hat oder das du unbedingt noch lesen möchtest?

»Illusionen« von Richard Bach

Verrätst du uns deinen persönlichen Kraftort, an dem du dir Inspiration holst?

Der Strand in Rodenkirchen und die Mauritius-Kirche. Beides Orte in Köln, wo ich lebe.

Wenn du nur ein Gericht für den Rest deines Lebens essen dürftest, welches wäre es?

Spaghetti mit Garnelen

Kannst du unseren Leser:innen einen Life- oder Workhack empfehlen?

Mir hilft eine Miracle-Morning-Routine, die ich an meinen eigenen Lebensstil angepasst habe. Noch leichter fällt es mir, wenn ich sie gemeinsam mit einem Freund oder einer Gruppe beginne und wir uns gegenseitig motivieren.

Hast du ein Guilty Pleasure, mit dem du dir den Arbeitstag oder den Feierabend versüßt?

Cannoli zum Cappuccino

→ Vielen Dank, liebe Julia!

In der Rubrik »Mittagspause am Mittwoch« stellen wir regelmäßig Frauen – und auch Männer – vor, die uns inspirieren. Anlass für das Gespräch ist die Mittagspause, die Frau ja sowieso nie allein verbringen sollte ;-) Unser Gast leistet uns also (virtuell) Gesellschaft beim #neverlunchalone.

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